Orientierende Voruntersuchungen bei Erneuerungsmaßnahmen für Straßen im Ortsbereich

Dipl.-Ing. Peter H. Steinmetz, Dipl.-Ing. Steinmetz Baustoffprüfung GmbH & Co. KG, Aschaffenburg

Insbesondere im Ortsbereich sind häufig stark unterschiedlich aufgebaute Straßenabschnitte
vorhanden; schriftliche Unterlagen über frühere Baumaßnahmen nicht zu beschaffen. Bei der
Planung von Erneuerungsmaßnahmen werden die folgenden Angaben über die vorhandene
Straßenbefestigung benötigt:

  • Dicke des Asphaltaufbaus – zur Mengenermittlung des anfallenden Altasphaltes
  • Schichtdicken und Art des Asphaltes – für Fräsen und Abbruch
  • Teerhaltigkeit der Schichten – zur Ermittlung des Anteils an PAK-belastetem Asphalt und in Zusammenhang mit (B) Festlegung der Frästiefe
  • Dicke und Qualität der ungebundenen Tragschichten (FSS und/oder STS) – zur Beurteilung der Wiederverwertbarkeit bzw. Deponierung
  • Höhenlage des Erdplanums sowie Kennwerte des anstehenden Bodens (Bodenart, Frostempfindlichkeit, Verdichtbarkeit, Tragverhalten) – zur Festlegung der frostsicheren Tiefe und des Aufbaus (RstO).

Die folgende Vorgehensweise hat sich bewährt:

1. Ortsbegehung:

Begehung des gesamten Erneuerungsabschnittes, Festlegung von Erkundungsstellen
(Schürfen). Dabei werden berücksichtigt:

Die Art der Straßenoberfläche und sichtbare Schäden: Die Anzahl der Schürfen muss der sichtbaren Änderung im Deckschichtbelag angepasst werden. Bereiche mit Fahrbahneinbrüchen oder durchgehenden Rissen, d. h. mit Schäden, die aus dem Untergrund herrühren können, müssen erfasst werden. Regelabstand bei gleichmäßiger Fahrbahn ca. 100 m, rechts/links.

Die vorgesehenen Schürfen sollen den Altbestand der Straßen, nicht Kanaltrassen o. ä. erfassen.

2. Schürfen

Zur Herstellung der Schürfen wird die Straßenoberfläche durch Schneiden und Ausbau des Asphaltbelages geöffnet. Dabei wird ein Asphaltmusterstück als Probe sichergestellt. In Gegenwart des Prüfingenieurs werden die zu Tage tretenden ungebundenen Schichten von Hand ausgebaut. Die Schichten werden angesprochen, die Dicken gemessen und repräsentative Proben der Mineralstoffgemische entnommen. Die Aushubtiefe ist der geplanten Maßnahme anzupassen. Im allgemeinen genügen ca. 60 – 70 cm Tiefe. Für Kanalbaumaßnahmen kann eine größere Aushubtiefe sinnvoll sein. Es wird ein Protokoll mit Schichtdicken, genauen Probenbezeichnungen und Angaben über die augenscheinliche Beschaffenheit der Stoffe geführt.

3. Laboruntersuchungen:

Im Labor werden die Mineralstoffproben auf Korngrößenverteilung, sowie Mineralbestand untersucht. Das Asphaltmusterstück wird vermessen, die Schichten angesprochen und eine organoleptische Teerbestimmung nach Erwärmen verdächtiger Schichten vorgenommen. Unter Umständen wird analytisch auf PAK-Gehalt untersucht

4. Beurteilung:

Der gesamte Vorgang wird dokumentiert. Alle Untersuchungsergebnisse werden zusammengefasst. Eine Beurteilung stellt die angetroffenen Befestigungen gegebenenfalls mit der Lage der teerhaltigen Schichten und die mittleren Dicken der recycelfähigen Schichten vor (Siehe Beispiele S1 und S3). Die Umweltverträglichkeit der ungebundenen Mineralstoffgemische wird entsprechend den Analysen nach LAGA interpretiert und Zuordnungswerten (Z0, Z1.2 usw.) angegeben. Die Frostempfindlichkeit des Untergrundes wird zusammen mit dem aktuellen Wassergehalt hier (Wn » Wopt!) dargestellt und eine Empfehlung für die Planumsherstellung gegeben (Bodenverbesserung/Bodenaustausch).

Der Untersuchungsbericht dient als Unterlage für eine wirtschaftliche und technisch einwandfreie Planung der Maßnahme.