Neue Erkenntnisse von der Berliner Erprobungsstrecke Heerstraße (B2/B5) mit einem SG-Asphaltbinder, der 50 Masse-% Asphaltgranulat enthält

Reinhard Lehné, Berlin

In jedem Jahr fallen bei Erhaltungsmaßnahmen ca. 15 Mio Tonnen Ausbauasphalt an, die nahezu gesamt wiederverwertet werden. Das Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz fordert, dass diese Mengen an Straßenausbaustoffen umweltverträglich und möglichst hochwertig wieder verwendet werden. Die Berliner Bauverwaltung hat beginnend in dem Jahr 2000 eine 1200 m lange Erprobungsstrecke mit 5 Versuchsabschnitten gebaut:

Es sind die Erprobungsfelder (E0-E4)mit 20, 30, 40 und 50 Masse-% Asphaltgranulat erfolgreich gebaut worden. Auch bei dem letzten Versuchsabschnitt E4 mit 50 Masse-% Asphaltgranulat 0/16 mm, war zu berücksichtigen, dass es trotz sehr hoher Verkehrsbelastungen keinesfalls zu Verformungen kommen darf. Im Rahmen der Voruntersuchungen ist nun für diesen neuen Erprobungsabschnitt (E4) insbesondere die TL AG StB-01 (Technische Lieferbedingungen für Asphaltgranulat, Ausgabe 2001) der FGSV berücksichtigt worden. Im vorliegenden Fall wurde nur Asphalt der Verwertungsklasse A mit einem Gesamtgehalt im Feststoff der PAK´s nach EPA von < 25 mm/kg bzw. einem Phenolindex im Eluat mit < 0,1 mg/l verwendet. An dem Beispiel Heerstraße ist unter dem Hauptansatz Bindemitteleinsparung ein Kostenvergleich für eine Menge an Ausbauasphalt von 4.512 t angestellt worden. Der Bitumenpreis wurde mit 200,00 Euro/t und der Preis für den SG-Binder ohne Asphaltgranulat mit 43,00 Euro/t zugrundegelegt. Der Gesamtpreis für den hier erstellten SG-Binder ohne Asphaltgranulat liegt somit bei 194.016,00 Euro. Die Preisreduzierungen lagen beim Bindemittel bei der 50%-Variante bei 18.048,00 Euro. Somit konnte der Preis um fast 10 % reduziert werden. Beim Einhalten der Sollsieblinie der Eignungsprüfung zeigte sich eine gute Standfestigekeit, nachgewiesen über den Spurbildungsversuch. Beim Abweichen von der Soll-Sieblinie war ein Standfestigkeitsverlust festzustellen.

Zusammenfassung:

Aufgrund der Auswertungen der hier vorliegenden Ergebnisse des Erprobungsfeldes E 4 mit 50 Masse-% Asphaltgranulat kann ausgesagt werden, dass ein Zusammenhang mit der Stetigkeit der vorgegebenen Sieblinien und den damit erzielten Standfestigkeiten abzuleiten ist. Das vorgestellte Binderkonzept mit 50 Masse-% Ausbauasphalt ist als mögliche Variante im Straßenbau auch bei erhöhter Verkehrsbeanspruchung, nämlich bei den Bauklassen SV und I darstellbar. Voraussetzung ist jedoch eine im Sinne der TL AG StB-01 sorgfältige und akribische Voruntersuchung, Klassierung, Lagerung und der Einsatz einer Paralleltrommel. Zu ergänzen ist die Tatsache der positiven Auswirkung dieses vorbeschriebenen Asphaltrecyclings unter dem Aspekt des Kreislaufwirtschafts-und Abfallgesetzes, da hier neben der Kosteneinsparung des sehr teuer gewordenen Bitumens die Ressourcen an Bindemittel und Mineralstoffen deutlich geschont werden.